ND Konzertbericht 2013

Konzert am 02.11.13 in der Druckerei Bad Oeynhausen

Live Bericht von Stormbringer.at :

Bad Oeynhausen. Metropole, Zentrum der Welt. Ähem. Unabhängig davon, dass die Kurstadt für wenig mehr als eine von deutschlandweit zwei renommierten Herzkliniken und eine urhässliche, stinkende Durchgangsstraße zur Autobahn nach Holland bekannt ist, verirren sich derletzt immer wieder interessante Bands und sogar ganze Touren (Ende des Monats übrigens der MARDUK-Nightliner) in das beschauliche Städtchen in Ostwestfalen. Trotz Konzertkonkurrenz im nur 30 Kilometer entfernten Bielefeld haben sich an diesem milden Novemberabend rund 150 Gäste in die Druckerei verirrt, um einer Viererauswahl von Bands des Trollzorn-Labels sowie einem lokalen Opener zu lauschen. Neben den Pagan/Black Metallern OBSCURITY sind auch die Lübecker BLACKSHORE, die Göttinger Old-School-Deather ATOMWINTER und mit PANDORIUM eine progressive Thrash-Truppe aus dem benachbarten Minden angetreten. Wegen der Absage der Münchener WRAITHCULT (schade!) haben alle Kombos eine Extrakelle Spielzeit auf den Teller bekommen.

Pünktlich um 19 Uhr, als wir noch mit unserem gesunden Döner-Abendessen vor der Druckerei warten, legen PANDORIUM los, und das in einer Lautstärke, dass man sich am liebsten die Fleischbrocken in die Ohren stopfen möchte. Für die kleine Lokalität ist der Sound den ganzen Abend über viel zu laut und kreischig, selbst mit Ohropax. Trotzdem bekommen schon PANDORIUM mehr als anständigen Zuspruch für ihren wirklich anspruchsvollen Thrash Metal, der grob irgendwo zwischen METALLICA und MEGADETH anzusiedeln, hier und da auch von Bands wie DEATH beeinflusst scheint, aber jedenfalls deutlich von den 80ern inspiriert ist. Egal, wie man das stilistisch sehen möchte – für eine Band, die gerade ihr erstes Album als Eigenproduktion veröffentlicht hat, sind PANDORIUM verdammt vielseitig, versiert und stilistisch sicher. Ich bestaune zwar lieber die Gitarren- und Gesangskünste von Bandkopf Fadil Bajrami, als mich wirklich an den meinem Geschmack nach live etwas blassen Songs zu erfreuen, weil das einfach nicht mein Stil ist, aber selbst ich merke, dass hier Musiker mit Herz und großem Talent am Werk sind. Sollte man sich als Genrefan unbedingt mal anhören!

Stilistisch völlig anders gelagert sind dann ATOMWINTER, die gedanklich ebenfalls noch in den 80ern zu stecken scheinen, sie allerdings auch noch aktiv miterlebt haben dürften. Hier regiert der tiefgestimmte Death-Metal-Hammer – wer vom vierzehnten ASPHYX-Umfeld-Projekt und von aufgespritztem Dan Swanö-Sound mittlerweile gelangweilt ist, sollte hier mal genauer hinhören. Die erst 2010 gegründeten ATOMWINTER donnern die Songs ihres gerade erschienenen Debüts „Atomic Death Metal“ von der niedrigen Druckerei-Bühne und erinnern dabei mehr als deutlich an diverse Old-School-Death-Metal-Kapellen mit eher doomigem Ansatz – nicht nur ASPHYX, sondern beispielsweise auch BOLT THROWER sind Einflüsse, die die Jungs sicher nicht leugnen können. Das kommt live noch deutlich geradliniger und brutaler als von der Konserve, und hier passt auch der übel laute Sound. Nicht umsonst werden ATOMWINTER mit einer ähnlich dicken Fanreaktion überschüttet wie später OBSCURITY.

Vorher gibt’s aber noch Black/Thrash von den Lübeckern BLACKSHORE, die ebenfalls gerade ein neues Album veröffentlicht haben („Terror“ – das kann ja was werden!). Leider haben die Nordlichter, übrigens erstmals mit dem derwischenden FÄULNIS-Chef Seuche am Bass verstärkt, keinen guten Tag erwischt. Der Sound ist dünn und kreischig und lässt der vielleicht durchaus interessanten Musik keine Chance, auch gehört zu werden. Schade, denn eine Band mit nur einem Gitarristen, bei der man eine Gitarre nicht hört, klingt – richtig! – wie eine Band ohne Gitarre. Obwohl BLACKSHORE, ähnlich wie ATOMWINTER, ein atomar beeinflusstes (verstrahltes?) Konzept verfolgen und sich Seuche als einzig mobiler Musiker den Arsch abpost, ist davon leider im Bühnengeschehen nichts weiter zu merken. Da ist optisch und im Auftreten sicher noch ein bisschen was drin, und mit dem richtigen Sound und 30% weniger Lautstärke müssen dann auch die Besucher nicht nach einer Viertelstunde aus dem Raum flüchten. Leider nicht gut gelaufen, schade.

Ganz anders bei OBSCURITY, die nicht nur eine der größten Bands auf dem Trollzorn-Label sind, sondern mit über 15 Jahren Bandgeschichte auch eine der dienstältesten. Das schlägt sich nicht nur in einem halben Dutzend Veröffentlichungen nieder, aus denen OBSCURITY schöpfen können, sondern sichtbar auch in einer Horde Fans, die tapfer fast neunzig Minuten lang kleinere Mitsingspielchen mitspielen, die Rübe schütteln und den immer noch viel zu lauten Sound ertragen. Sie wissen natürlich auch, warum: OBSCURITY sind in den vielen Jahren zu einer absolut stilsicheren, toll eingespielten und auch qualitativ erstklassigen Pagan/Black-Band geworden, die Stimmung macht, eine Menge kann, aber trotzdem absolut fannah ist. Auch ohne Ragnarök-Festival-Pyroshow ein würdiger Headliner für einen gelungenen Abend, bei dem ich seit langer Zeit mal wieder das Gefühl hatte, dass hier Fans für Fans ein Konzert organisiert haben. Das bestätigt sich später auch bei der Aftershow-Party im Black Sabbath, einer kleinen Bikerkneipe einen Kilometer weiter, wo Fans und Bands gemeinsam am Billardtisch stehen und das Label ihren Musikern Bierrunden spendiert. Hoffentlich nicht das letzte Konzert dieser Art!

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.